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Frauenpower für Münsters Gastronomie

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Sie sind längst kein Einzelfall mehr in der einstigen Männerdomäne Gastronomie. Zum Weltfrauentag porträtieren wir exemplarisch zehn erfahrene Wirtinnen und junge Existenzgründerinnen, die sich in Münster den Traum vom eigenen Restaurant oder Café erfüllt haben:

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Hot Dog Station

Jutta Morthorst

Von Kindesbeinen an wuchs Jutta Morthorst zwischen Fritten und Friteusen auf, denn Papa führte eines der ersten Schnellrestaurants in Münster, den City-Grill in der Bolandsgasse.

Nach ihrer Banklehre packte sie den Rucksack und reiste ein Vierteljahr durch Kanada. Zurück in Münster, holte sie auf dem Abendgymnasium das Abitur nach. Das hieß: tagsüber in der Bank arbeiten, abends die Schulbank drücken.

Mit dem Abitur in der Tasche folgte ein Studium der Landschaftsarchitektur in Hannover, was sie jedoch nicht abschloss: „Zu viel Chemie und Physik – gar nicht das, was ich mir vorgestellt hatte“, erzählt sie. Also ging es erst mal wieder auf große Reise: Neuseeland, Australien, alles allein und auf eigene Faust.

1997 kehrte sie zurück und stieg ins Team der Hot Dog Station ein, die ihr Vater inzwischen am Ort des alten City-Grills etabliert hatte. Jutta übernahm das Geschäft Anfang 2018 als alleinige Inhaberin und ist Mitglied der Kaufmannschaft Salzstraße. Immer noch steht sie oft selbst an den Friteusen und erledigt Buchhaltung und Personalplanung.

Freie Zeit widmet sie Töchterchen Lotte und Golden Retriever Lucie. Ihre große Leidenschaft ist immer noch das Reisen – im letzten Jahr ging’s mit ihrer Tochter nach Lissabon. Irgendwann möchte sie am liebsten mit dem Bulli kreuz und quer durch Europa.

Wo? Bolandsgasse 4, City

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Hafenkäserei

Ann-Paulin Söbbeke

„Ich bin durch und durch Käserin“, sagt Ann-Paulin Söbbeke, „unserer Familie verarbeitet seit über 100 Jahren Milch.“ Schon ihr Urgroßvater gründete zusammen mit seinem Bruder eine Molkerei, ihr Vater startete mit der Käseproduktion.

Als Kind war sie oft in der Produktionshalle und machte später eine Ausbildung zur Molkereifachfrau, wollte aber den väterlichen Großbetrieb nicht übernehmen. Stattdessen absolvierte sie eine zweite Ausbildung zur Fotografin. Doch dann reifte der Plan einer Schaukäserei in Münster: „Ich habe im Allgäu gelernt, da gibt es in jedem Dort eine Käserei. Ich wollte wieder diese Nähe zum Produkt. Aber statt Besucher aus der Stadt zu den Kühen aufs Land zu bringen, wollten wir die Käserei in die Stadt bringen.“

Warum Münster? „Weil hier meine Wurzeln sind: Mein Opa war Münsteraner und im Vorstand der Molkereizentrale, die früher genau gegenüber am Hafen war.“ Söbbeke legte die Meisterprüfung ab und eröffnete 2014 ihre Hafenkäserei, einen der ersten Betriebe, die den Mittelhafen belebten. Besonders am Herzen liegen ihr die Publikumsführungen, bei denen sie zeigt, „wie durch Handwerk aus Gras leckerer Käse wird.“

Wo? Am Mittelhafen 20, Hafen

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Kaffeegießerei

Karin Jüdes-Sürken

Mit einem eigenen Café erfüllte sich Karin Jüdes-Sürken 2016 einen langgehegten Traum. Seit fast drei Jahren betreibt sie nun schon ihre Kaffeegiesserei am Hansaring. Mit viel Liebe zum Detail, skandinavisch-gemütlich und mit einem Hauch „60s“ hat sie das Lokal eingerichtet.

Ein guter Service ist für sie im atmosphärischen Jugendstilbau ebenso wichtig wie die hohe Qualität der Produkte, die überwiegend von Slow Food-Partnern aus der Region stammen. Doch bis zur Eröffnung war es ein langer Weg.

Nach der Ausbildung zur Hotelkauffrau sammelte sie zunächst Berufserfahrung bei Krautkrämer und in Hotels in Köln und Düsseldorf. Beim Besuch der Hotelfachschule lernte sie noch den theoretischen Teil.

Die Liebe zum Kaffee entdeckte sie im Team der roestbar, welche heute eine eigene Kaffeegiesserei-Mischung für sie röstet. Als ihr Sohn schließlich alt genug war, wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit. Den Mut dazu, den haben ihr wohl ihre Eltern mitgegeben, die ebenfalls selbstständig waren.

Ihr Motto: „Meine Gäste sollen sich wohlfühlen wie im eigenen Wohnzimmer – mit dem kleinen Plus einer aufmerksamen Bedienung, die alles Mögliche „herbeizaubert“, was den Aufenthalt versüßt.

Wo? Hansaring 14, Hansaviertel

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Großer Kiepenkerl

Wilma von Westphalen

Bevor Wilma von Westphalen die Leitung des Großen Kiepenkerls übernahm, hatte sie bereits eine Vita, die bei anderen wohl für mehrere Leben reichen würde.

Alles begann mit der Ausbildung zur Hotelfachfrau im Parkhotel Schloss Hohenfeld, danach ging es in eines der damals angesagtesten Sternerestaurants der Republik, zu Hans-Peter Wodarz in die „Ente vom Lehel“, in der sich Prominenz aus Politik, Medien, Wirtschaft und Kultur die Klinke in die Hand gab.

Schon damals liebte sie es, im Service zu arbeiten, gerade wenn es mal turbulenter zuging. Als Tochter Regina sich ankündigte, ging es zurück nach Münster. Dort startete Wilma den beruflichen Einstieg in den gehobenen textilen Mode-Einzelhandel, wo sie bald die Shopleitung innehatte.

Nach 10 Jahren in dieser Position stand für Wilma eine Neuorientierung an. Sie eröffnete in den nagelneuen Münster Arkaden als Franchise-PartnerIn ein erfolgreiches Modegeschäft, allerdings befand sich nach 5 Jahren der Franchisegeber in wirtschaftlicher Schieflage, was Wilma von Westphalen dazu veranlasste, den Store zu schließen.

Wilma machte daraufhin kurzentschlossen ihre Liebe am Umgang mit Menschen zum Beruf und arbeitete mehrere Jahre als Verkaufs-/ und Führungskräftetrainerin im Handel und in der Gastronomie.

2012 holte ihr jetziger Ehemann Klaus Friedrich Helmrich, Inhaber der Butterhandlung Holstein, sie zu sich in den Großen Kiepenkerl, den er kurz zuvor übernommen hatte. So kam zusammen, was wohl zusammengehört.

Denn mit der Leitung des Großen Kiepenkerls ist Wilma wieder voll in ihrem Element und führt das Traditionslokal mit einer modernen Ausrichtung mit regionaler und viel vegetarischer Hausmannkost in die Zukunft.

Wo? Spiekerhof 45, Kiepenkerlviertel

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Artcuisine

Janny Hebel

Dass Janny Hebel einmal feine Kost für Veranstaltungen liefern würde und einer eigenen Kochschule vorstehen würde, hätten ihre Kollegen früher wohl nicht geglaubt. Denn die kreative Wahl-Münsteranerin, die aus dem Saarland stammt, und schon immer leidenschaftlich gern gekocht hat, hat eigentlich Industriemechanikerin gelernt.

In der Ausbildung war sie eine Exotin: eine der wenigen Frauen unter lauter Männern. Das galt auch bei der Zusatzausbildung als Lokführerin. 15 Jahre lang fuhr sie im Dienste der Deutschen Bundesbahn Nah-, Fern-, & Güterzüge oder rangierte700 m lange und 2.000 Tonnen schwere Ungetüme. Dann lernte sie ihren Mann kennen und zog 2002 der Liebe wegen nach Münster. 2008 wagte sie den großen Schritt und machte ihr Hobby zum Beruf: für andere zuhause zu kochen.

Dem eigenen Catering-Unternehmen gesellte sich – der großen Nachfrage wegen – rasch eine Kochschule hinzu. Seit fünf Jahren betreibt Janny Hebel, die zwischenzeitlich ein Studium an der Kunstakademie Bochum absolvierte, zudem eine Keramik Malwerkstatt. Vorerst letzter Coup der kreativen Köchin ist ein Betriebsrestaurant am Whyit Campus in Münster, das sie seit diesem Jahr betreibt.

Wo? Wienburgstraße 207, Zentrum Nord

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Landgasthof Pleister Mühle

Gabriele Cronrath

Die gebürtige Bergneustädterin und studierte Betriebswirtin betreibt seit 2002 die „Pleister Mühle“. Bereits mit 13 Jahren zog es Gabriele Cronrath zur Gastronomie:

Sie jobbte oft in der Wirtschaft ihrer Tante, zu der auch eine Mühle gehörte. Aber nicht nur das „Mühlen“-Thema scheint sich durch ihr Leben zu ziehen, auch die Liebe zur Wirtschaft in jeder Hinsicht wurde ihr sozusagen in die Wiege gelegt. Als die kleine Gabriele sprechen lernte, war ihr Lieblingswort (nach „Mama“ und „Papa“): „Wirtschaft!“ Dorthin zog es sie auch nach dem Studium.

1983 lernte sie ihren Mann Bernd kennen und eröffnete mit ihm ein eigenes Restaurant mit Saalbetrieb im oberbergischen Morsbach. 1988 suchten beide nach einer Stadt, die bereit war für ihren (damals sehr progressiven) Traum vom eigenen Vollwertrestaurant – und fanden sie in Münster. „Cronraths Vollwertrestaurant“ eröffnete im Salzhof.

Gabriele Cronrath leitete die Küche. Nach fünf Jahren kehrte das Paar Münster erst einmal den Rücken – und gründete eine Familie. Gabriele kümmerte sich um die Kinder und gab Kochkurse.

Als die Kinder größer wurden, reifte erneut die Idee zu einem neuen Projekt. So kam das Paar zur „Pleister Mühle“. Vorbesitzer hatten aus der früheren Kaffeewirtschaft ein Hotel-Restaurant gemacht. Gabriele Cronrath verwandelte die Pleister Mühle zurück – in einen Landgasthof mit Kaffeewirtschaft, der seine Wurzeln kennt.

Vollwertkost gibt es hier nicht, wohl aber eine Küche, die viel Wert auf Frische und Qualität legt und die nach Möglichkeit mit guten Produkten aus der Region arbeitet. Das entspricht auch dem Credo von Gabriele Cronrath: „Das Einfache genial machen!“ 2012 wurde beiden Cronraths in die Genussbruderschaft der „Maîtres de la table et frères en gueule“ aufgenommen.

Wo? Pleistermühlenweg 196, Handorf

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Fegefeuer

Katrin Pfaff

Ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau im Handorfer Hotel „Haus Vennemann“ absolvierte „Nordlicht“ Katrin mit einem klaren Ziel: ein eigenes Hotel zu eröffnen.

Zunächst aber wollte die gebürtige Rendsburgerin sich einmal „im Kleinen“ mit einer eigenen Gastronomie versuchen. Zu dumm, dass die „ersten Gehversuche“ gleich so erfolgreich waren…!

Denn Katrins erstes „Projekt“ war (und ist bis heute) das „Fegefeuer“, Münsters erste und einzige Mittelaltertaverne, die sich mittlerweile in etwas modernere Zeiten bewegt hat, ohne an Atmosphäre zu verlieren.

Ein Ladenlokal war 1998 schnell gefunden, Gründungskredite waren schon schwieriger zu bekommen. „Eine Mittelalterkneipe in Münster? Aussichtslos!“, so die einhellige Meinung der Banker.

Mit viel Unterstützung von Familie und Freunden und dem ganzen Enthusiasmus ihrer 24 Jahre stemmte sie das „Projekt“ und verwandelte das Ladenlokal in nur vier Wochen in ein mittelalterliches. Bereits die Anfangseinrichtung und -dekoration begeisterte die Gäste.

Die unkomplizierte Atmosphäre, das düstere Ambiente, eine phantasievolle Karte mit verschiedenen sortenreinen Honigweinen, historisch gewandete „Schankmaiden“ und andere liebevolle Details lockten auch viele Rollenspieler und Mittelalterfans ins Fegefeuer.

Heute ist das Publikum bunt gemischt, der Erlebnischarakter im schummrigen Lokal nach wie vor hoch und die kreative und spannende Küche, die großen Wert auf Nachhaltigkeit und gute Produkte aus der Region legt, schlägt gekonnt den Bogen zwischen Bodenständigkeit und anspruchsvollen Genüssen mit Überraschungsmomenten.

Wo? Von-Kluck-Str. 15, Südviertel

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Restaurant Orléans

Christiane Austermann

Eigentlich hatte Christiane Austermann ganz andere Pläne für ihr Leben. Nach dem Abi ging sie zunächst nach Paris, studierte an der Sorbonne Linguistik und Romanistik.

Aber irgendwie erfüllte es sie nicht. Also absolvierte sie im renommierten „Restaurant Ratskeller“ in Bad Neuenahr/Ahrweiler eine Ausbildung zur Köchin – zu einer Zeit, in der Frauen in Restaurantküchen noch rar waren. Karrieremöglichkeiten allerdings boten sie ihr dort keine: „Eine Frau in einer Restaurantküche war für viele Gastronome so undenkbar wie eine Frau als Matrosin auf einem Schiff.

Das hatte nichts mit den beruflichen Qualifikationen zu tun, sondern vor allem mit der Ruhe im Betrieb“, resümiert Christiane. Also kehrte sie nach Deutschland zurück, arbeitete fünf Jahre als Sous-Chefin im Landgasthaus Scharlau in Havixbeck und weitere fünf Jahre als Küchenchefin im Golfhotel Gut Winterbrock in Rheine-Mesum.

An ihren freien Tagen führte sie nebenbei die Küche auf der Trabrennbahn in Dinslaken. Eine anstrengende Zeit, die sie aber nicht missen möchte. Bis 2007 kochte sie in Georg Bertlings Mauritztorhaus in Münster. Dann eröffnete sie ihr eigenes Restaurant.

Mit marktfrischen Zutaten, viel Kreativität und einer Küche, die das Beste aus Deutschland und Frankreich vereint, hat sie längst ein treues Publikum erobert.

Wo? Weseler Str. 65, Südviertel

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Café Bistro T

Adelheid Schoppmann

Gelernt hat sie ursprünglich etwas ganz anderes, nämlich Dekorateurin.

Zur Gastronomie kam Adelheid Schoppmann eher zufällig – durchs Tinneff, in dem sie am Wochenende nebenbei kellnerte.

Ein Zufall, der ihr ganzes Leben verändern sollte. Denn im Tinneff lernte sie nicht nur Ralf Beimann kennen (und lieben), der bis heute an ihrer Seite ist: Hier entstand auch ihre Liebe zur Gastronomie.

1986 bot sich der 23-Jährigen die Gelegenheit, das Tinneff zu übernehmen. Und Adelheid zögerte keine Sekunde: „In dem Alter ist man ja noch ‚unsterblich‘ und absolut furchtlos.“

Zwanzig Jahre lang führte sie gemeinsam mit Partner Ralf die Kult- Kneipe, in der regelmäßig Live-Bands zu Gast waren, fuchste sich in Pacht- und Brauereiverträge ein, lernte, einen gastronomischen Betrieb zu führen – und immer wieder neu zu erfinden.

Als schließlich der Pachtvertrag auslief, machten sich Adelheid und Ralf auf die Suche nach einer neuen Location – und fanden sie ganz in der Nähe am Staufenplatz. Ihr neues Café Bistro T sollte mindestens so gemütlich werden wie das Tinneff, aber eben ein Tages-Café sein, das einen Schlussstrich unter die Nachtarbeit in der Kneipe zog. Den Gästen aber gefiel es so gut, dass das Licht im „T“ immer später gelöscht wurde.

 Also änderte Adelheid das Konzept des liebevoll eingerichteten Cafés in ein Café und Bistro, das sie bis heute mit Ralf betreibt – dem starken Mann hinter einer starken Frau.

Wo? Staufenstr. 20, Mauritz-West/Erphoviertel

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Kochkunst & Eßbar

Anette Ude, Ulrike Schulte

Frisch. Leicht. Köstlich. So lautete die Grundidee der beiden Ernährungswissenschaftlerinnen Annette Ude und Ulrike Schulte. Das war vor 30 Jahren.

Ude schrieb gerade ihre Diplomarbeit zum Thema „Catering“ Schulte hatte just praktische Erfahrungen bei Stromberg in Waltrop gesammelt. Mit diesem Konzept waren sie 1989 Vorreiter in der münsterschen Catering-Szene.

Der bald eintretende Erfolg gab ihnen Recht. Das anfangs kleine Unternehmen im Südviertel wuchs kräftig. Es kam der Zeitpunkt für einen örtlichen Wechsel.

Die idealen Räumlichkeiten dazu fanden die beiden Frauen nun im Kreuzviertel. Es bot sich bald die einmalige Chance, ein altes Jugendstil-Milchgeschäft gegenüber dazu zu mieten. Hier gibt es seit 2010 den im Kreuzviertel geschätzten und köstlichen Mittagstisch.

Von montags bis freitags werden je ein vegetarisches und ein Gericht mit Fleisch angeboten. Dem Vorsatz „frisch, leicht, köstlich“ sind sie sich bis heute treu geblieben

Wo? CATERING KOCHKUNST, Coerdestr. 43, ESSBAR, Kettlerstr. 1, Kreuzviertel

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...und das sind natürlich längst nicht alle!